Cappelle la Grande

Didi und ich wollten schon seit längerer Zeit wieder mal gemeinsam ein großes Schachopen spielen.

Nun ist es so weit. Am Freitag den 15.02.2019 ging es los. Der Ort: Cappelle la Grande an der französich-belgischen Grenze. Wir sind nicht alleine unterwegs, mit uns sind auch noch Katharina Riegler (unsere Französischdolmetscherin), Hans Jürgen Koller, Wolfgang Miesenberger und natürlich auch meine Frau Ewa mitgekommen.

Untergekommen sind wir in einer Ferienhauswohnanlage in Belgien. Katharina hat das alles organisiert. Besten Dank dafür.

Tag 1: Die Anreise war die erste Anstrengung die wir unternahmen, weil Cappelle nicht um die Ecke liegt. Katharina, Hans Jürgen und Wolfgang starteten um etwa 10.30 in Linz, fuhren mit dem Zug bis Passau, da holte sie Didi ab und fuhr mit ihnen zu mir nach Nürnberg. Die dritte Etappe ging dann von Nürnberg über Frankfurt am Main, Köln, Aachen, Maastricht, Brüssel nach Adinkerke, knappe 800 km von Nürnberg aus.

Kurz das Ferienhaus gesucht, Gott sei dank auch gefunden, Sachen eingeräumt, oh sch… ade, kein Bier da, kurze Besprechung für morgen, Spaß mit der Heizungsanlage gehabt, aber wer eine Schachuhr einstellen kann, kommt auch mit einer Heizungsanlage klar, Didi und Hans Jürgen legten noch eine kleine Trainingseinheit ein und spielten ein paar Partien Schach, dann war Schlafenszeit. 

Tag 2: Kurzes Frühstück, Ewa hat doch ein paar Brötchen mehr gemacht, die reichen ja noch 2 Tage, rein ins Auto, zum Turniersaal, Anmeldung bestätigt dass wir auch wirklich mitspielen dürfen und ab zu Lidl. Einkäufe für die nächsten Tage tätigen, jeder darf was in den Korb legen, und ab nach Dünkirchen zum Mittagessen. Nach einer kurzen Suche von eineinhalb Stunden, einem gefühltem 10 Kilometerspaziergang konnten wir Essen bestellen. Danach auf zur ersten Runde.

In der ersten Runde erzielten wir gesamt 3 Punkte, lediglich Katharina und ich machten unsere Gegner glücklich. Zuhause angekommen durfte jeder seine toll gespielte Partie Didi und Hans-Jürgen präsentieren, der zu jeder Partie gute Ratschläge und Ideen beisteuert.

Tag 3: Der heutige Tag beginnt mit einem guten Frühstück, ach ja, da sind ja immer noch die Brötchen von Ewa, im Anschluss ein kleiner Spaziergang der Mehrheit an den Nordseestrand. Auf von Belgien nach Frankreich zum Mittagessen, danach Beginn der 2. Runde. 

Didi und Hans Jürgen durften heute gegen einen GM bzw. einen IM spielen, Wolfgang hatte es heute mit einem 2000er zu tun. Hans Jürgen überspielte seinen IM großartig und gewann meisterlich. Bravo Hans Jürgen!

Fazit nach zwei Runden: Jeder hat angeschrieben, Hans Jürgen sogar zweimal.

Tag 4: Heute steht eine Doppelrunde auf dem Programm und wir feiern Didis Geburtstag.

Herzlichen Glückwunsch Didi.

Runde 3 und 4 stehen auf dem Programm. Die Erwartungen sind hoch, da jeder der mitgereisten Österreicher gewinnen will. Hans Jürgen hat es nach seinem gestrigen Sieg gegen einen IM in den abgesperrten Bereich geschafft, er durfte gegen einen GM spielen. Leider lies dieser Hans Jürgen nicht wirklich mitspielen. Didi, der ja in Runde 2 ganz vorne spielte bezwang seinen Gegner. Wolfgang spielte gegen den belgischen IM den Hans Jürgen in Runde 2 vermöbelte, und gegen den ich gute Chancen auf ein Remis hatte, jedoch die Nerven und den Punkt verlor. Die Schachwelt, also wir drückten Wolfgang fest die Daumen. Jedoch war dann ein Elounterschied von über 600 Punkten doch zu viel. Katharina hatte es ebenfalls mit einem übermächtigen Gegner zu tun, den sie mächtig unter Druck setzte, eine kleine Unachtsamkeit und es blieb leider nur bei einer schönen Partie, die mehr verdient hätte. Ich spielte gegen einen jungen Spieler mit Glück Remis. Hat aber Spaß gemacht gegen einen so jungen Gegner zu spielen. Was die alles können, schon erstaunlich.

Über die Runde 4 will ich nicht wirklich etwas schreiben, bitte hier die Turnierseite aufrufen. Ich sage nur eins, Italiener sind so gemein.

Fazit aus den letzten 4 Runden, Didi, Hans Jürgen, Wolfgang und Katharina spielen in etwa ihren Erwartungen, lediglich ich müsste wieder öfter ins Training gehen.

Da wir ja alle gerne Schach spielen und keiner mit seinen Ergebnissen zufrieden ist, werden wir in diesem Turnier vermutlich keine IM Norm schaffen. Aber die Stimmung in der Gruppe ist großmeisterlich. Mit euch fahre ich gerne wieder mal zu einem  Open.

Tag 5: Mal sehen was die 5. Runde bringt. 

Rudi berichtet weiter, ………. vielleicht.

Die heutige Runde ist abgeschlossen, 3 Siege, ein Unentschieden und eine Verlustpartie waren die heutige ausbeute. Didi, Hans Jürgen und Katarina fegten die Gegner einfach weg, Wolfgang wickelte in ein etwas schwächeres Endspiel ab mit guten Chancen auf Remis, wir analysieren jetzt noch die Möglichkeiten und ich will meine Partie nicht zeigen, war heute etwas zu kreativ. 

Derzeit halten Didi und Hans Jürgen bei 3,5/5 Punkten, Katharina, Wolfgang und ich bei 2/5 Punkten.

Morgen wird es wieder anstrengend, die nächste Doppelrunde steht am Programm.

Weitere Zeilen folgen.

Tag 6: Runde 6 und 7, eine Anstrengung für einen Schachopa wie mich, eine nette Abwechslung für das restliche junge Team. 

In der 6. Runde konnten wir 3,5 Punkte einfahren. Hans Jürgen wurde einmal durchgekaut und dann wieder ausgespuckt. Ich denke sein Gegner war sehr gut vorbereitet. Katharina spielte Remis nach einer großartigen Partie, Didi nahm seinem Gegner die Stellung, dann einen Bauern, dann noch einen und noch einen, sein Gegner spielt trotz Aussichtslosigkeit bis wenige Züge vorm Matt. Wolfang fegte seinen Gegner einfach vom Brett und ich hatte Glück.

Runde 7 brachten 4 Remis, einzig Didi durfte am eigenen Leib verspüren, was er sonst mit seinen Gegnern macht. Kleinen Vorteil suchen, auf dem so lange herumreiten bis er größer wird, dann einen Bauern gewinnen und das übrig gebliebene Turmendspiel gewinnen. Man sollte hier doch erwähnen, Didis Gegner hatte eine Elozahl von über 2400 und war IM. Katharina war zu Ende ihrer Partie etwas angespannt. Sie durfte knappe 50 Züge in einer tot Remistellung spielen, da Ihr Gegner offensichtlich das Endspiel mit ungleichfärbigen Läufern deutlich überschätzte und er seine zwei Bauern nicht mehr wirklich ziehen konnte. 

Wolfgang und Hans Jürgen spielten Ihre Partien sehr gut, lediglich ich hatte etwas Glück mit meinem Remis.

Tag 7: Heute haben wir beschlossen den Tag etwas ruhiger angehen zu lassen, gemütlich Frühstücken, relaxen und mental auf die vorletzte Runde vorbereiten. 

Mittagessen in Belgien, hier soll es die besten Fritten geben, dann wieder nach Frankreich, gewinnen und glücklich ins Quartier zurück.

Trotz der guten Vorsätze vom Vortag konnten wir nur den ersten Teil zur vollsten Zufriedenheit umsetzen, das waren relaxen und essen, mit den Partien lief es etwas anders, heute spielten alle Remis. Der eine war glücklich, der andere sehr glücklich und wieder welche etwas weniger glücklich. Es gab nur Kampf Remis, alle waren hoch motiviert bei der Sache. Nach etwa 5 Stunden Schach, spielen und analysieren traten wir die Heimreise ins Quartier an. Heute startet der Abend nicht wie üblich mit Blitzschach, heute ist ein Gesellschaftsspiel an der Reihe und ich hoffe ich darf meine heute gespielte Partie nicht herzeigen. 

Tag 8: Folgt natürlich erst morgen, aber mal vorab, da wird ab 10.00 Uhr die letzte Runde gespielt, 17.00 Uhr ist die Siegerehrung und Ewa wird einen gemütlichen Tag in Dünkirchen verbringen.

Und eins ist natürlich heute schon klar, eine IM Norm ist nicht mehr drinnen :-).

 In ein paar Stunden geht es auf zum letzten Gefecht. Die Gegner sind 4 Leute aus Frankreich und einer aus Panama. 

Katharina und Wolfgang spielen ein sehr gutes Turnier, ihre Eloleistung liegt weit über  ihren Elozahlen. Didi und Hans Jürgen liegen bei einer Eloleistung von etwa 2.100, nur ich nähere mich meiner tatsächlichen Spielstärke.

An diesem Turnier spielen 332 Leute aus etwa 20 Nationen mit. Es ist sehr gut organisiert, die Verantwortlichen hatten immer alles gut im Griff. Die Verständigung war nicht immer ganz einfach, speziell dann, wenn Katharina nicht greifbar war. Aber mit dem Universalübersetzer sprich sprechen mit Händen und Füßen bewältigten wir auch diese Hürde. Eins kann man jetzt schon sagen, ein schönes Turnier und egal wie die Schachpartien liefen, es ist einfach empfehlenswert.

Diese Zeilen schreibe ich nur, weil ich schon alleine wach bin. :-)

Der heutige Tag brachte 2 Punkte für das Team Austria. Hans Jürgen machte den vollen Punkt, Wolfgang und ich holten jeweils einen halben Zähler. 

In diesem Turnier sammelten wir mehr Erfahrungen als Punkte. Die Siegerehrung sparen wir uns und bereiten uns auf die morgige Heimreise vor. Wohnung geputzt, Sachen zusammengeräumt, Proviant für die Reise vorbereitet und am Samstag früh morgens geht es wieder ab in den deutschsprachigen Raum. Geplant ist noch ein kleiner Spaziergang durch die Metropolstadt Nürnberg, da werden sich Ewa und ich verabschieden, der Rest will sich dann noch Schärding ansehen, so als Ausklang für einen schönen Schachurlaub.

 LG Rudi

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