1. Bundesliga: Viele Chancen-wenig Punkte

Gestern, 5. November 2015,  war es endlich so weit.

Wir durften erstmals in der 1. Bundesliga antreten.

Nach der recht angenehmen Anreise, einer kleinen Stärkung zu Mittag und einem erholsamen Spaziergang fuhren wir zum Spiellokal.

Die Spielbedingungen sind einer 1. Bundesliga durchaus würdig und das Rätselraten um die Aufstellung der Gegner hat ein Ende. Die Mitaufsteiger aus Ottakring lassen bezügliche ihrer Ziele keine Fragen offen.

Die ersten 3 Bretter sind mit GM Michael Krasenkov (Pol/2614), GM Tamas Banusz (Hun/2611) und GM Roland Schmaltz (Ger/2504) nominell deutlich stärker als IM Peter Schmidt (2384), FM Sebastian Testor (2295) und FM Didi Hiermann (2296).

Auf den hinteren 3 Brettern sollte das Stärkeverhältnis zwischen FM Hartmuth Beck (2360), Jakob Gstach (2311) und Adam Steiner (2266) auf Seiten Ottakrings und unseren Spieler FM Alois Hellmayr (2254), IM Christoph Renner (2337) und FM Mario Taggatz (2178) doch eher ausgeglichen sein.

Der Wettkampf startete mit einer kleinen Verspätung, weil man noch auf LH Nießl warten wollte. Mannschaftsführer Josef „Lutscha“ Maier versorgte uns mit Getränken, und wir konzentrierten uns voll auf die bevorstehende Aufgabe.

Erfreulicherweise zeigte sich, dass wir in allen Partien Chancen hatten, und anfänglich hielten wir gut mit. Leider bewahrheitete sich jedoch die alte Weisheit, dass die Schachpartien dazu neigen sich mit fortschreitender Zeit immer mehr zu Gunsten des stärkeren Spielers zu entwickeln.

Als erster musste sich Sebastian Testor seinem haushoch überlegenen Gegner geschlagen geben. Die Analysen zu dieser Partie kenne ich noch nicht, aber Sebastian stand wohl nach der Eröffnung recht gut, was seinen Gegner aber offensichtlich nicht sonderlich beeindruckt hat.

Die zweite beendete Partie war jene von Alois Hellmayr. Alois spielte eine recht gute Partie er stand mit den schwarzen Steinen klar besser, konnte aber leider im entscheidenden Moment den Gewinn nicht finden. Für Computer und in der Analyse gewonnen, aber in der praktischen Partie ist es schon recht schwer diesen völlig unlogischen Zug als Matchwinner zu erkennen.

Als nächstes musste ich (Didi) eingestehen, dass GM Schmaltz der bessere Spieler ist. Auch ich bekam eine Chance auf Gewinn zu spielen, doch leider konnte auch ich die richtige Fortsetzung nicht finden. Nach der von mir gewählten Fortsetzung dachte ich zwar immer noch besser zu stehen, doch mein Gegner hat diese Stellung bereits anders beurteilt, und leider hatte er Recht. Im Nachhinein ärgere ich mich, weil ich in der kritischen Stellung (Zug Nr. 16) nicht mehr nachgedacht habe, aber den 26. Zug führte ich, zum Schrecken des Mannschaftsführers, mit nur mehr 3 Sekunden Restzeit aus.

Die vierte beendete Partie war jene von Christoph. Christoph hatte wohl einmal die Möglichkeit einen Bauern zu gewinnen. Doch er strebte nach mehr. Ein Figurengewinn schien ihm das lohnenswertere Ziel zu sein. Da er schlussendlich keines von beidem erreichte endete die Partie remis. In der Analyse ist es natürlich immer leicht zu sagen, dass man den Spatz in der Hand hätte nehmen sollen, doch die Taube auf dem Dach war halt zu verlockend.

Auch Mario beendete seine Partie mit einer Punkteteilung. In der abendlichen Analyse dachten wir, dass da noch mehr drinnen wäre, doch die Computer halten die Schlussstellung für ausgeglichen. Auch in der Gesamtbewertung der Partie waren wir deutlich optimistischer als die elektronischen Rechenmonster. Für uns war das von Mario eine tolle Partie mit leichtem Vorteil für Mario. Für Fritz & Co war es ausgeglichen mit verpassten Gewinnmöglichkeiten seines Gegners.

Die mit Abstand interessanteste und wohl auch beste Partie spielte jedoch Peter Schmidt. Ihn schien die Elozahl von GM Krasenkov in keiner Weise zu beeindrucken. Pit schaffte es, seinen Anzugsvorteil in eine angenehme Mittelspielstellung mit bequemem Raumvorteil umzuwandeln. Der Großmeister stand bereits mit dem Rücken zur Wand. Als der Großmeister dann auch noch das von Pit angebotene Qualitätsopfer annahm, waren wir alle davon überzeugt, dass die zentralen Freibauern die Partie zu unseren Gunsten entscheiden würden. Doch leider gelang es Pit schlussendlich doch nicht, die überaus genaue Verteidigungsleistung seines Gegners zu überwinden. Es ist schon beeindruckend zu sehen, wie präzise Großmeister solche Stellungen spielen können.

Am Ende verloren wir den Wettkampf zwar mit 1,5 zu 4,5 Punkten. Aber wir gingen keineswegs kampflos unter, sondern haben uns tapfer gewehrt. Wenn wir unsere Chancenauswertung noch etwas verbessern, sollte in Zukunft schon noch mehr zu holen sein.

Fragwürdig ist jedoch, ob wir das heute schon schaffen werden. Denn mit Vorjahresmeister Jenbach sitzt heute einer der stärksten Gegner auf der anderen Seite des Brettes …